Von Schlägel und Eisen

Im Internet geistern ja viele schaurige Geschichten umher. Kaum steht irgendwo ein verlassenes Haus, wird diesem oft eine schlimme Vergangenheit, der ein oder andere Mord im Inneren und oft sogar übernatürliche Vorkommnisse angedichtet. So auch in dieser verlassenen Zechensiedlung. 

 

Lost places üben auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Auch auf uns. Wir haben schon den ein oder anderen verlassenen Ort besucht und uns in den Bann ziehen lassen. Für uns ist es ein Hobby,  welches wir in unserer Freizeit, wenn sich die Gelegenheit bietet ausüben. So bin ich zwar in vielen Facebookgruppen, in denen verlassene Orte (meist ohne Ortsangaben) vorgestellt werden, jedoch poste ich dort nie Fotos. Mir persönlich sind die Fotos dort oft zu bearbeitet und meist habe ich den Eindruck, dass es nur darum geht, wer die meisten Likes für seine Fotos bekommt. Zudem mag ich die Gehässigkeit, die dort oft herrscht nicht. Oft hat es etwas von "Ich weiß eine Location, die du nicht weißt". Na egal, das soll jetzt nicht das Thema sein ;) 

 

Wir waren vor ein paar Wochen im Ruhrpott und mussten diese Location unbedingt besuchen. Es handelt sich dabei um eine verlassene Zechensiedlung. Gebaut wurde sie für die Belegschaft einer nahe gelegenen Zeche. Nachdem die Zeche 1963 ihre Förderung eingestellt hatte, begann die Abwanderung der Bewohner. In so manch einem Bericht wird behauptet, dass es hier spuken soll. Ich glaube natürlich nicht alles, was ich lese, aber gespannt war ich schon ;) Nicht nur wegen diesen Gerüchten, sondern auch wie es da wohl sein wird. Eine ganze Siedlung, die verlassen ist und wo einst viele Leute ihr Zuhause hatten. 

 

Auf dem Weg zur Siedlung begegnete uns ein Spaziergänger. Meine Kamera in der Hand verriet ihm scheinbar, was wir vorhatten, da er uns mit "Ihr hättet mal kommen sollen als hier noch Leben war!" begrüßte. Nachdem ich Interesse gezeigt hatte, schwärmte er von den guten alten Zeiten, als die Zechensiedlung noch bewohnt und das pure Leben im Innenhof zu Hause war. Kinder spielten dort, Ziegen und andere Tiere flitzten umher und die Erwachsenen saßen zusammen und erfreuten sich an der Geselligkeit. Nie werde er das vergessen. "Damals, als es noch schön hier war seit ihr nicht her gekommen!". Seit über 15 Jahren stirbt die Siedlung nun langsam vor sich hin. Wie und vor allem warum hätte ich also damals noch ohne Führerschein die Zechensiedlung aufsuchen sollen? Er meinte wohl alle Leute, die sich seit dem Zerfall von der Siedlung magisch angezogen fühlen. In seiner Stimme konnte man etwas erkennen. Der Mann, den ich auf Anfang 40 schätzte, war meiner Meinung nach nicht böse, sondern im Inneren sehr traurig, dass er dieses tolle Kapitel seines Lebens verloren hatte. Er selbst hat dort gewohnt und schwärmt mit glänzenden Augen von dieser Zeit. Im Jahr 2013 verließen die letzten beiden Mieter ihre Wohnungen. Kaum vorstellbar für mich, wenn ich mir den momentanen Zustand so ansehe. 

 

In lokalen Medien wurde diese Siedlung beispielsweise "der gruseligste Ort des Ruhrgebiets" oder "Geistersiedlung" genannt. Hört sich gut an und weckt Interesse. Und wie ist es dort?

 

Na ja. Übernatürliches haben wir nicht gesehen. Aber das Gefühl dort zu sein war für mich schon etwas Besonderes. Dieses Gefühl wurde durch den ehemaligen Bewohner, den wir vorher antrafen, noch bestärkt. Ich gehe von Haus zu Haus. Schaue mir alles genau an. Und verspüre so etwas wie Trauer. Hier hat einst das Leben getobt. Kinderlachen durchflutete den Innenhof. Es muss wohl so etwas wie ein eigenes kleines Dörfchen gewesen sein. Als ich meinen Blick über das weite Gelände wandern lasse verfalle ich selbst in so etwas wie schwärmen. Ich bin mir sicher, hier war es schön. Und ich zweifle keine Minute an dem "einmaligen Zusammenhalt zwischen allen Bewohnern", von dem ich vor wenigen Minuten gehört hatte. Dass hier Geister sein sollen habe ich erst nachdem wir da waren erfahren. Das einzig gespenstige war der Anblick von mir, wie ich Panik vor der alten Aluleiter hatte und mich nicht getraut habe sie herunterzuklettern :p Eine Leiche wurde dort aber 2014 gefunden. Laut Infos aus dem Netz handelte es sich dabei wohl um einen ehemaligen Bewohner der Siedlung. 

 

Da stehe ich nun. Im Innenhof und lasse meinen Blick um 360° wandern. Ich versuche mir vorzustellen wie schön es da einmal war. Und es fällt mir wirklich leicht. Ich glaube, da hat man ganz gut gewohnt. Der Zusammenhalt und die typische Ruhrpottart waren sicher unvergleichbar. Und nun sind die einzigen Zeichen von Leben die Vögel über uns und wir. Wir verweilen einfach einige Minuten in der Mitte des Innenhofes. Schön ist es hier auf seine ganz eigene Art und Weise. 

 

Wie in vielen Berichten von lokalen Zeitungen berichtet wird, soll es ja Hoffnung geben, dass der Zechensiedlung wieder Leben eingehaucht wird. Wir dürfen gespannt sein :) 

Für heute überlasse ich nun euch und eurer Fantasie die von mir vor Ort gemachten Fotos. Na, könnt ihr euch auch vorstellen, wie dort mal das pure Leben zu Hause war? :) 

War schon mal jemand von euch da? Wie findet ihr die verlassene Zechensiedlung? Über Kommentare freue ich mich wie immer sehr!

 

Liebe Grüße

 

Dani 

 

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